Sunday 19 Nov 2017
Thursday, 19 June 2014 12:45

Ukrainer und Russen sagen zusammen auf einer Bühne ihr eindeutiges „Nein“ zum Krieg

Rate this item
(42 votes)
Ukrainer und Russen sagen zusammen auf einer Bühne ihr eindeutiges „Nein“ zum Krieg Foto: Lutz Müller-Bohlen

19. Juni 2014.

Was wäre, wenn Russen mit Ukrainern eine Rock-Gruppe bilden würden und mittels der Musik die Ideen für das Gute und den Frieden verbreiten würden? Genau das passierte in diesem Jahr auf den Deutsch-Russischen Festtagen in Karlshorst.

Üblich wechseln sich auf der Hauptbühne des einmal im Jahr durchgeführten Festivals deutsche und russische Bands ab, und unterstützen auf solche Weise brüderliche Stimmungen zwischen den beiden Kulturen. Diesmal läuft Vieles anders: die Krise in der Ukraine hat Menschen mit unterschiedlichen politischen Anschauungen gegeneinander ausgespielt und stiftete zwischen den Brudervölkern – Russland und Ukraine – mild ausgedrückt Zwietracht.

Und dann die Band „Songa“ auf der Bühne in Karlhorst: Ein nagelneues ukrainisch-russisches Bandprojekt. Zwei Russen, zwei Ukrainer. Nicht über die Politik singen sie,  sie wollen den Menschen was Gutes antun. „Songa“ wurde im Jahre 2014 von dem Architekten und Künstler, jetzt auch – Produzenten Pavel Gaidenko gegründet. Die Band besteht aus professionell ausgebildeten Musikern mit langjähriger Arbeitserfahrung.

Vor dem Beginn der Veranstaltung schlägt Pavel Gaidenko (Künstlername Pavel Gaida) dem Publikum vor, sich zusammen mit dem Song „Back in the USSR“ in die Vergangenheit zu einzutaufen. Viele von den Zuschauern sind ja Kinder der Sowjetunion. Die Solistin Yulia mit roten fliegenden Haaren fängt an. Ihre Stimme klingt mächtig und hell, kleine Aufregung taucht kurz in ihren Augen auf und schwindet sofort spurlos. „I’m back in the USSR“, singt Yulia aus dem Lied von “Beatles”. „You don’t know how lucky you are boy“. Sie spielt mit ihrem Blick, kokettiert mit dem Mikro, lächelt das Publikum an. Das Publikum antwortet mit Ovationen und lächelt zurück.

Beim zweiten Song schließt sich der Bandleiter die Solistin an, da er sein altes, aber keinesfalls veraltetes Lied „Russische Seele“ vorstellen möchte. Heitere Stimmung vor der Bühne, auf dem frisch gemähten Gras, beruhigt sich. „Das Licht schlägt den Nebel durch…“ rockt Pavel los. „Wie ein Feuer durch das Feld schlägt die russische Seele“, singen schon beide Solisten im Einklang. Die Glocken läuten, die Melodie ergreift das Herz, man ist dem Weinen nähe.

«Haben wir saure Sahne zu Hause?» – fragt eine Frau besorgt einen in ihrer Nähe stehenden Mann, als das Lied zu Ende ist. Man hört die Antwort nicht, denn das Publikum schon zum „Halbsaison Blues“ tanzen möchte.

„Come Together“ beendet das Programm. Yulia ist ungehemmt, spielt charmant mit der Melodie und dem Text. Pavel bleibt intelligent und gehalten.

Applaus, Verbeugungen und virtueller Vorhang fällt.

Die Band „Songa“ ist nicht die erste russisch singende Musikgruppe im deutschsprachigen Raum. Die meisten neu gegründeten Rockbands, egal in welcher Sprache sie singen (wobei Russisch die Anzahl der potenziellen Zuhörern eher begrenzt, als erweitert), stoßen auf dieselben Probleme: große Konkurenz und fehlende Finanzierung. In Europa macht man gerne Musik. In Jugendgemeinden und Vereinen stehen oft Instrumente zur Verfügung. Wenn man ein bisschen gespart hat, kann man sich auch die Musikausrüstung durchaus leisten. Und viele spielen Musik nicht unbedingt unprofessionell. Zu Konzerten und Auftritten kommt meist die Verwandschaft oder Bekannte aus dem Freundeskreis und sozialen Netzwerken. Eine ganze Menge Zuhörer zu erreichen, wenn an allen Ecken und Kanten ein Überangebot herrscht und alles zugänglich ist, ist keine leichte Aufgabe. Besonders nicht in Berlin. Junge Musiker machen deswegen aus ihrer  Lieblingsbeschäftigung ein Hobby und üben nebenbei, in der Haupsache einen Beruf aus, von dem sie leben können.  Oder sie unterrichten Musik.

Aber „Songa“ halten diese Perspektiven nicht ab. Sie glauben an sich. „Unser Programm wird vielfältig sein. Alles wird klappen bei uns, weil wir das richtig wollen und weil wir ein Team der Gleichgesinnten sind. Wenn man viel arbeitet, dann kommt auch der Erfolg “, hofft Pavel Gaidenko.

„An das Geld denken wir nicht. Wir wollen unser Material qualitativ machen und unsere inneren Aufregungen mit anderen Menschen teilen, Nutzen bringen. Beim Musikmachen spielt das Materielle keine Rolle für uns“, ergänzt auch die Solistin Yulia Radzilova optimistisch. „Songa“ ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie die Kunst verschiedene Menschen verbinden kann. In der Band wird fast nicht über Politik geredet, ensprechend gibt es keine Fronten: keine Politik, keinen Krieg die Regel. „Wir wollen uns mit den Sachen beschäftigen, die nicht zerstören, sondern errichten“, so die Musiker. Wir sagen „nein“ zum Krieg“. Und machen lieber Musik.

Eine Rezension von Lena Arent.

 

Original:
neuedeutschepresse.wordpress.com

 

Read 3613 times Last modified on Tuesday, 27 October 2015 12:47
Login to post comments

Projekte

 

 

 

FOLGE UNS!

 

 

Partner

 

 

 

 

 

Russian Songs